Wie das rechte Lager Unglücke zur Propaganda ausschlachtet

Vor einer Woche, kurz vor Weihnachten, ist es wieder passiert und zwar in Deutschland, Berlin. Ein feiger Terroranschlag, welcher zwölf Menschen das Leben kostete und viele weitere teils schwer verletzte. Wie einst der Attentäter von Nizza, auch hier wieder mit einem LKW, ausgerechnet auf dem Berliner Weihnachtsmarkt. Der Täter Anis Amri war ein radikalisierter Tunesier, somit kann von einem islamistischen Hintergrund ausgegangen werden. Wasser für die Mühlen der Propaganda-Maschinerie von rechts, welche sofort statt Betroffenheit, Schuldzuweisungen in Richtung Merkel, die Regierung, das „Gutmenschentum“ und jeden, der nicht am nationalistischen Abschottungswahn anknüpft, schoss, bereits bevor überhaupt der Hintergrund ermittelt wurde. Die rechten Reaktionen auf das Unglück kamen so reflexartig, als ob die Rechten nur so auf den Terroranschlag gewartet hatten. Man fragt sich, ob nicht sogar der eine oder andere Sektkorken geknallt sind. Die später gespielte Anteilnahme lässt nicht darüber hinwegtäuschen, dass die allerersten Reaktionen von rechts den Anschlag als Zündstoff für die Politik der geschlossenen Grenzen nutzten. Meisterhaft wird dann der hohe Zaun, welchen die nationalistischen Querschläger so sehr begehren, mal mit schärferen Kontrollen an der Grenze beschönigt. Diese sind jedoch längst gegenwärtig, die Balkanroute gar geschlossen und die Flüchtlingszahlen gewaltig reduziert. Merkels Durchwinkaktion ist Vergangenheit, sich an ihr hochzuschaukeln ist heiße Luft.  Eine weitere Verschärfung, wäre der Schritt zur „Festung Europa“, die Schließung der Grenzen, und dies wäre eine humanitäre Katastrophe. Desweiteren ist der Terrorismus nicht passé, wenn wir ihn hinterm Zaun halten und auch seine Richtung wird sich nicht ändern, wenn wir uns einigeln. Als ob der angestaute Hass des radikale Islamisten plötzlich enden würde, wenn wir ab jetzt plötzlich nur noch unser Süppchen kochen, und unüberwindbare Mauern gibt es heutzutage auch nicht mehr. Das Problem des Terrorismus wird durch das nationalistische Gedankenmodell der Rechten nicht im Ansatz gelöst.

Wozu dient dann dieses reaktionäre Verhalten? Die Antwort ist überraschend einfach: Propaganda! Die eigene Position soll ideologisch hochgespuscht werden und die Öffentlichkeit affektieren. Nichts schmeichelt dem einfachen bürgerlichen Verstand mehr, als der äußere Feind, der invadiert, anstatt das Problem zu einem eigenen zu machen und sich dem anteilig zu verorten. Das Böse muss klar erkennbar und von sich trennbar sein. Sündenböcke sind doch so viel praktischer als Verantwortung. Petry, Pretzell und Co. wissen dies zu gut und nutzen dies für die Stärkung der eigenen Machtposition und ihrer ideologischen Reichweite. Es reicht ein Blick auf Pretzells Twitter-Account, um sich ein Bild zu machen[1]. Jedes Kommentar unterstützt das Bild des Flüchtlings als Sündenbock und Fremdkörper. Besonders kürzlich mit dem Fall des Obdachlosen, welcher von Jugendlichen angezündet wurde, ist sein alleiniges Augenmerk, dass die Täter syrisch-lybischer Abstammung sind, Flüchtlinge. Dass Obdachlose schon weit vor der Flüchtlingskrise Opfer von Übergriffen wurden und das sicherlich nicht vorrangig durch ausländische Täter, sehr wohl jedoch oft durch Jugendliche, ist nicht von Bedeutung, denn es entspricht nicht dem Bild des Flüchtlings als immigriertes Problem. Jugendliche kann man außerdem nur schlecht abschieben…
Die Frage für den Rechtspopulisten ist nicht „Wie kümmern wir uns richtig um Obdachlose, damit sich sowas nicht wiederholt?“ sondern „Wie erschaff ich mir über das Täterprofil ideologische Bestätigung?“. Also wird die Tat sarkastisch kommentiert mit „Wohin flüchten Obdachlose jetzt eigentlich vor Flüchtlingen?“ [1], als ob derzeit eine Treibjagd stattfinden würde. Doch genau dieses Bild soll vom Flüchtling geprägt werden, denn es ist der Antrieb der AfD-Politik. Diese Taktik wurde auch diesen Sommer auf den Amoklauf in München angewendet, nur ging sie in Rauch auf, als der islamistische Hintergrund ausgeschlossen war und sogar rassistische Motive nachgewiesen werden konnten.
Die Hauptdevise der Propaganda ist: „Nutze jeden ideologischen Nährboden, den du finden kannst!“

[1] https://twitter.com/marcuspretzell?lang=de

 

Wie geht man gegen rechte Propaganda vor?

Ein Hauptaugenmerk der Masche von rechts ist, sich als die Superhelden schlechthin zu präsentieren, welche der einzige Lichtblick in einer verdorbenen Welt sein wollen, welche sie mit aller Macht unterdrücken und bekämpfen will. So sehen sich Pegida, AfD und co. als Retter des Abendlandes in einer antideutschen Gesellschaft und die Mühe den interkulturellen Austausch voranzutreiben als Globalisierungswahn zu Gunsten einer eng gefassten wirtschaftlichen Elite. Diese Selbstdarstellung mag für aufgeklärte Geister recht lächerlich wirken, jedoch gerade die Enttäuschten aus den weniger umfassend gebildeten Schichten, welche selbst teilweise ohnmächtig Zukunftsängsten gegenüberstehen, kann solch eine Denkweise locken. Sich einem Kollektiv anzuschließen, welches in der schwierigen Lebenssituation mithilfe eines Feindbilds neue Orientierung verschafft, wirkt möglicherweise entlastend. Die sich öffnende Schere zwischen Arm und Reich, sinkende Arbeitsplatzzahlen und kaum bis gar nicht mehr existierende Rentensicherheit frisst Perspektiven und schafft somit den Nährboden für Populismus. Dies ist das Erfolgskonzept für die Propaganda der neuen Rechten.

Die Liberalen und Linken müssen sich dem Anliegen eine autoritäre Gesellschaft zu erschaffen entgegenstellen. Kampflos könnten rechte Kräfte die Bühne an sich reißen. Wir müssen aggressiver werden und uns wagen zum Angriff überzugehen. Den Rechten den Nährboden entreißen und selbst ins aktuelle Geschehen treten, aufklärend statt propagandistisch. Präsenz ist wichtig, statt jedoch mit skandalösen Aussagen sich öffentlich wahrnehmbar zu machen, sollten wir Anteilnahme zeigen und gleichzeitig die Angreifer der offenen Gesellschaft, seien es religiös fundamentalistische oder nationalistische Hassprediger nachdrücklich auf ihren Platz verweisen. Der lange Arm der neuen Rechten ist die politische Bühne durch die Medien, welche sie so gern als Lügenpresse betiteln. Jeder Skandal, welcher primitive Instinkte anspricht, erschafft ihnen Reputation. Linke und liberale Positionen haben dagegen einen Bildungsauftrag, wir müssen Inhalte vermitteln, welche dem Einzelnen Souveränität vermitteln vernünftig mit Widrigkeiten umzugehen, seine Umwelt positiv zu prägen und die Individuelle Freiheit und Entfaltung zu erweitern.

Rechte dagegen muss man als das entlarven, was sie sind: Feinde der individuellen Freiheit, welche eine homogene Gesellschaft erschaffen wollen. Und wenn sie am Pranger noch so rumheulen und sich als Opfer präsentieren, dann muss diese Opferrolle muss ebenfalls argumentativ entkräftet werden. Der AfD hat dieses Jahr am meisten geschadet, dass sie aufgrund des auf sie ständig gerichteten kritischen Auges, oft der Lächerlichkeit preisgegeben werden konnte. Dies nagt an der Glaubwürdigkeit, welche für politische Parteien unverzichtbar ist. Die Rechten pochen auf ihre freie Meinungsäußerung, die steht selbst ihnen auch zu, jedoch steht es uns zu beschissene Meinungen erkennbar zu machen, was kein Verstoß gegen das Recht auf freie Meinungsäußerung ist, wie Rechte es gerne aussehen lassen würden.

Eine vorbildliche Initiative rechter Propaganda entgegenzuwirken, ist z.B. #KeinGeldfuerRechts [2]. Durch freundliche Hinweise zu Werbetreibenden hinter rechten Internetseiten, welches Weltbild denn die Geschäftspartner vertreten, konnte vielen rechten Plattformen der Geldhahn zugedreht werden, da die meisten Werbetreibenden sich nicht durch solche Ideologien vertreten sehen wollen. Das Geheule von rechts ließ nicht lange auf sich warten, mitsamt irrsinnigen Vergleichen mit den diskriminierenden Ressentiments gegenüber Juden durch den Nationalsozialismus („Kauft nicht bei Juden!“). Solche Opferselbstdarstellungen darf man nicht ernst nehmen. Es spricht nichts dagegen rassistische und andere unerträgliche Positionen als solche aufzuzeigen. Wer andere diskriminiert, brauch sich nicht über seine Unbeliebtheit zu wundern. Die freie Meinungsäußerung beinhaltet nicht unwidersprochene Selbstbeweihräucherung. Jeder von uns, welcher die individuelle Freiheit und die offene Gesellschaft als Nährboden dessen zu schätzen weiß, muss zu ihrem Pfeiler werden. Wir müssen mutig und laut sein gegen rechts und dürfen uns nicht einschüchtern lassen, uns nationalistischer Ideologie offen in den Weg zu stellen. Die Vernunft ist stärker als das Ressentiment, solange sie ihre Mündigkeit behält!

[2] https://www.heise.de/tp/features/Die-Achse-des-Guten-im-Kampf-gegen-das-linke-Boese-3568857.html

Die Technologisierung des Arbeitsmarkts

Es gibt ihn, den voll automatisierten Bauarbeiter. Ein Roboter namens Hadrian, erfunden von der australischen Firma Fastbrick Robotics, baut Häuser fast komplett alleine und viel effektiver als es jegliche menschliche Arbeitskraft schaffen könnte. Die Bauziegel kommen dabei direkt aus dem 3D-Drucker. 3D-Bauplan programmieren, Software ausführen, Hadrian machen lassen und in zwei Tagen ist ein Haus gebaut. Nur bei komplexeren Feinarbeiten, wie die Aufstellung der Fensterrähmen brauch er nochmal kurz menschliche Hilfe, doch ansonsten wird der Maurer-Beruf praktisch überflüssig, sobald Hadrian den Markt erobert. Und Hadrian ist kein bisschen schlampig: Die von ihm mit Mörtel bearbeiteten Ziegel positioniert er auf 0,5 mm genau. Keine menschliche Arbeitskraft kann diese Präzision toppen.

Der sowieso bereits alternde Maurerberuf kann somit bald abdanken. Dennoch wird eine solche Entwicklung zwiegespaltene Meinungen hervorrufen, auch wenn die Kosten des Häuserbaus reduziert und dadurch günstigere Grundstücke erwerbbar werden.
Die Sorge, die mit den durch technischen Fortschritt wegfallenden Berufsgruppen aufkommt, ist die damit einhergehende steigende Arbeitslosigkeit.

Und der Maurer-Beruf ist nicht der einzige, welcher akut durch Technologisierung bedroht ist. BMW plant derzeit das selbstfahrende Auto, welches 2021 auf dem Markt erscheinen soll. Bisher ist diese Ankündigung noch verhalten, da erst in diesem Jahr sich ein tödlicher Unfall mit einem Fahrzeug, welches einen von Tesla entwickelten „Autopilot“-Fahrassistenten nutzte, ereignet hat [1]. Auch wenn im Unfallhergang nicht wirklich klar ist, ob die Technik das Unglück zu verantworten hat, werfen solche Vorkommnisse natürlich Skepsis hervor und die Ausgereiftheit einer solcher Technologie muss da natürlich hinterfragt werden. Dennoch wird es eine Frage der Zeit sein, bis ein Fahrsystem uns sicherer von A nach B bringt, als die menschliche Auffassungsgabe dazu fähig wäre.
Im Gegensatz zu Teslas „Autopiloten“ der ein solcher nicht wirklich ist, sondern nur die Fahrsicherheit durch Tempoanpassung, eine eigene Notbremse und Lenkungsausgleich erhöht, soll die zukünftige Erfindung von BMW komplett den Fahrer ersetzen können, sodass man Fahrgast im eigenen Auto wird. Dafür sollen ein Kartendienst namens Here und Kameras und Sensoren einer Firma namens Mobileye sorgen.
Somit ist auch der Transportberuf von der Technologisierung gefährdet und je weiter der Zeitstrahl des technischen Fortschritts voranschreitet, desto größer wird die Liste der gefährdeten Berufe.

„Langfristig könnte die schnelle Technologisierung 59 Prozent der Arbeitsplätze in Deutschland gefährden: Von den 30,9 Millionen Beschäftigten, die die Studie der ING-Diba berücksichtigt hat, würden rund 18 Millionen durch Maschinen und Software ersetzt. „Der Übergang hat schon begonnen“, sagt Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der Bank ING-Diba und Co-Autor der Studie, in einem Bericht der Welt. „Schon jetzt sind einige Industriebereiche vollvernetzt und werden fast vollständig von Robotern geführt.““[2]

Das Ergebnis der Studie (welche auf einer Übertragung der US-amerikanischen Studie „The Future Of Employment“ von Carl Frey und Michael Osborne basiert – Links im Quellenverzeichnis) dürfte wie eine Hiobsbotschaft für viele Erwerbstätige klingen. Die Zukunft des Arbeitsmarkts scheint düster zu sein. Die rasant voranschreitende Technologie rationalisiert die Jobs weg, besonders die vom Mittelstand oft angepriesene „ehrliche Maloche“, heißt vor allem körperliche Arbeit, wie z.B. Bau und Handwerk, ist von der Technologisierung betroffen. Sach- und Verwaltungsarbeiten allgemein werden in Lauf der Digitalisierung von Information und der Entwicklung immer komplexerer und intelligenterer Software bald keine menschliche Aufgabe sein. Aushilfsjobs, Fließbandarbeiten, Reinigung und Reparatur, die Übernahme der Maschinen ist nur eine Frage der Zeit.

Die Jobs, wo der Mensch durch Technologie ersetzt werden kann, machen einen Großteil des Dienstleistungssektors aus, dieser wiederum macht 3/4 des Arbeitsmarktes aus [3]. Übrig bleiben Berufe im akademischen, kreativen und sozialen Sektor, wo Flexibilität und intelligente Abwägung bedeutend sind und ein denkendes, intelligentes Lebewesen mit Einfühlungsvermögen und individueller Wahrnehmung dahinter unverzichtbar. Eine hohe Qualifikation ist somit der zukünftige Schlüssel zu sichereren Arbeitsplätzen.
Unser allgemeiner technischer Fortschritt wird in 10-20 Jahren den Arbeitsmarkt gewaltig schrumpfen lassen, es sei denn, sie werden durch rudimentäre Tätigkeiten ersetzt, damit die Bevölkerung in Arbeit gehalten wird, doch brauchen wir wirklich noch mehr Call-Center-Agenten?

Nein, was wir brauchen ist endlich eine Entkopplung des Menschen vom Leistungsprinzip, eine Umverteilung von Oben nach Unten und die Freiheit selbstständig das eigene Leben zu gestalten. Der geschrumpfte weil automatisierte Arbeitsmarkt, welcher eher eine Frage der Zeit, als der Möglichkeit ist, wird ein nicht mehr schließbares Loch in unsere „Leistungsgesellschaft“ reißen. Unser bisheriges Verhalten, dieses Loch mit überflüssigen Tätigkeiten auf Ausbeutungsniveau zu stopfen und Verweigerer dieser unwürdigen Jobs zu sanktionieren, muss einer progressiven Entwicklung weichen. Der Wegfall körperlicher und routinemäßiger Berufe durch den technischen Fortschritt sollte begrüßt werden, statt ihn mit der Sorge wegen der fehlenden Beschäftigung in der Gesellschaft zu verschleiern. Die Einsparungen in Geld und Zeit, die dadurch entstehen könnten, sollten in Bildung und Wissenschaft investiert werden, denn dies ist die eigentliche Entwicklungsrichtung der Menschheit, welche wir jedoch mit dem moralisch aufgeladenen Leistungsprinzip ausbremsen. Die Zukunft dieser fortschrittlichen Welt, die vor uns liegen könnte, ist die Entfaltungsgesellschaft, in welcher jedes Individuum eine abgesicherte Existenz und den freien Zugang zu Bildung und allen Ressourcen zur Selbsterweiterung hat.
Es ist durch die rasante Entwicklung des Weltmarktes kaum noch abzuwenden, dass dessen Profiteure sich weiter bereichern und die auf der Ärmeren es immer schwerer haben werden die besseren Plätze unter der Sonne zu ergattern. Der Wegfall eines ganzen Leistungssektors der uns (betrachtet man die genannten Umstände) ziemlich sicher bevorsteht, wird die Situation nicht besser machen, es sei denn, wir schaffen einen Gesellschaftsvertrag, welcher die individuelle Existenzsicherung auf Basis einer gerechten Umverteilung gewährleistet. Die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens steht schon lange im Raum und würde eine würdige Existenz ermöglichen, ohne jemanden zu sinnlosen Erwerbstätigkeiten zu erpressen, welche dessen Lebensqualität und Potenzial einbüßen lassen. Wir sollten unsere Abwehrhaltung gegenüber einer Leistung ohne Gegenleistung überdenken, da die automatisierten Leistungen, von denen wir in näherer oder fernerer Zukunft alle profitieren keiner Gegenleistung bedürfen werden. Jeder sollte frei sein, sich zu entfalten, einer selbstgewählten Tätigkeit unabhängig vom Leistungsprinzip nachzugehen und sich damit finanziell, kreativ oder wissenschaftlich zu erweitern. Das wäre eine fortschrittliche Gesellschaft, welche es wert wäre anzustreben und die in Betrachtung der Umstände sehr wohl möglich wäre. Nur müsste man eine Sache verlangen, welche uns doch sehr schwer fällt: Umdenken!

[1] http://www.sueddeutsche.de/auto/usa-toedlicher-unfall-mit-tesla-autopilot-war-eingeschaltet-1.3058278

[2] http://www.ingenieur.de/Themen/Industrie-40/Roboter-koennten-18-Millionen-Deutsche-arbeitslos

[3] https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/Indikatoren/LangeReihen/Arbeitsmarkt/lrerw013.html

ING-Diba – Studie
ftp://ftp.zew.de/pub/zew-docs/gutachten/Kurzexpertise_BMAS_ZEW2015.pdf

Carl Frey und Michael Osborne: The Future Of Employment
http://www.oxfordmartin.ox.ac.uk/downloads/academic/The_Future_of_Employment.pdf

BMW und autonomes Fahren
http://www.heise.de/newsticker/meldung/BMW-will-ab-2021-selbstfahrende-Autos-bauen-3253086.html

Warum die neue Rechte nichts mit Religionskritik zu tun hat

Es ist ein leidiges Thema, was dank Pegida wohl nicht so schnell abklingen will. Obwohl der Islam nach den Jahren seitdem die Bewegung in Dresden die ersten Male marschierte, keinen wirklichen nachweisbaren Machtzuwachs hatte, will die Angst vor dieser Religion nicht aus unserem Alltag verschwinden. Plötzlich wachsen aus der sogenannten Mitte der Gesellschaft (jedenfalls behaupten Pegida und Gesinnungsanhänger aus dieser zu kommen, ich lass das jetzt einfach mal so im Raum stehen) unzählige Religionskritiker. Dabei kennt kaum einer dieser selbsternannten Islamkritiker wenigstens einen der vielen humanistischen Verbände in Deutschland, einen Hamed Abdel Samad, obwohl man gerade ihn kennen müsste, wenn man Kritik am Islam üben will, wohl nicht einmal einen Richard Dawkins, welcher als Evolutionsbiologe wohl einer der tragenden Figuren heutiger Religionskritik ist und mit „Der Gotteswahn“ sogar einen Bestseller schuf. Es wäre interessant mal herauszufinden, wie vielen Leute, die bei Pegida mitlaufen Giordano Bruno ein Begriff ist. Ich glaube die Prozente bleiben im einstelligen Bereich. Pegida und ihre rechten Folgeerscheinungen (allem voran die AfD) sind keine religionskritischen Bewegungen, sondern lediglich fremdenfeindlich und direkt islamfeindlich. Wäre dies anders, hätten die humanistischen Verbände wohl seit 2014 einen nie dagewesenen Zulauf erhalten, dies blieb jedoch aus. Dass gerade Pegida-Mitläufer sich als Anhänger der Säkularität aufspielen, ist Hohn und Spott. Viel ehrlicher dagegen sind andere Selbstdarstellungen von Pegida, welche sich durch schwarz-rot-goldene Kreuze und der ständigen Erwähnung vom christlichen Abendland auszeichnen, dass wir es neben der Fremdenfeindlichkeit wohl auch vermehrt mit konservativen christlichen Interessen zu tun haben. Nun muss man heute nicht mehr sonderlich betonen, dass Pegida, dessen Ableger und die Parteien, welche solche Inhalte vertreten nationalistisch sind, das dürfte jeder erkennen, welcher mit offenen Augen durchs Leben geht. Jedoch relativieren sich dessen Vertreter gerne mit dem Begriff des Patriotismus, und dies fällt bei den doch recht schwammigen Grenzen nicht so schwer. Besonders bei Pegida wundere ich mich jedoch, dass die Kritik an dessen Inhalte nicht wirklich zur Geltung kam, welche sich eigentlich schon durch den Namen lautstark anbieten müsste, da der ganze Firlefanz doch angeblich gegen eine vermeintliche „Islamisierung“ ausgerichtet ist. Dies ist auf einer ironischen Art und Weise witzig, da die Christianisierung in den Kinderstuben und öffentlichen Erziehungs- und Bildungseinrichtungen schon lange ein Thema echter Religionskritiker ist (nur halt objektiv und ohne dem verschwörungstheoretischen Geschwurbel). Ich möchte daher am Beispiel der religiösen Indoktrination von Kindern in unserer Gesellschaft darlegen, wo Religionskritik ansetzen muss und somit nochmals betonen, dass Pegida und co. keine religionskritischen Interessen vertreten, sondern lediglich fremdenfeindlich und in ihrem eigenem Feld fundamentalistisch ist.

 

Das Problem der religiösen Prägung in Schulen und Erziehungseinrichtungen

Ein allgegenwärtiges Problem, welches konfessionslose Eltern schon längere Zeit plagt (vor allem im Süden Deutschlands, wo religiöse Einrichtungen einigerorts alternativlos Einrichtungen zur Kindertagespflege u.ä. stellen), sind unterschwellige religiöse Manipulationen in öffentlichen Einrichtungen. Es ist ein Thema, was humanistische Verbände schon seit Jahren beschäftigt, was jedoch kaum Anklang in der Öffentlichkeit findet. Obwohl laut unserer Verfassung Kirche und Staat voneinander getrennt sind, unterscheidet sich die Öffentlichkeit an vielen Stellen von dem, was auf dem Papier steht.

Es betrifft jedoch nicht nur Konfessionslose. Es ist allgemein ein problematisches Stigmata, was man Kindern auferlegt, wenn man sie per Geburt einer Religion zuordnet. Könnte die Angst vor der Islamisierung daraus resultieren, dass man das Verhalten der eigenen Gesellschaft kennt, welches man jedoch nicht ändern möchte, nun jedoch eine Problematik erst dann erkennt, wenn eine andere Weltanschauung ihren Platz in unserer Gesellschaft sucht? Unsere Gesellschaft lässt religiöse Prägung nicht nur zu (zugegeben: es wäre auch anmaßend derart in die private Erziehung einzugreifen, ob nun religiös oder politisch), sondern unterstützt diese mit unterschiedlichen Privilegien, wie die Führung der Kirchensteuer und vor allem bevorteilte Positionen in Bereichen des Sozialen, der Erziehung und der Bildung. Im Bereich der Erziehung und Bildung werden somit Kinder aus religiösen Familien, aber auch konfessionslose Kinder in Gebieten mit starken religiösen Mehrheiten, verstärkt religiös geprägt, ohne die Gelegenheit gehabt zu haben ein Bewusstsein für Weltanschauungsfragen zu entwickeln. Wenn man diese Umstände mit dem Wort „Christianisierung“ beschreiben möchte, und rein empirisch betrachtet gibt es dafür mehr Hinweise als für eine Islamisierung, wo blieb die Empörung unserer neuen Religionskritiker? Wo blieb die Solidarität mit humanistischen Verbänden, warum wurde ihnen nie von einer größeren Öffentlichkeit der Rücken gestärkt? Es wird wohl als weniger problematisch erachtet, da es als „kultureigen“ wahrgenommen wird, doch in dieser Wahrnehmung liegt bereits ein Irrtum: das Christentum als abrahamitische Religion ist ebenso importiert, es ist nur etwas viel länger her. Jedoch sollte ein Weltbild gegenüber anderen privilegiert werden, nur weil es sich länger festsetzen konnte? Man wird keinen religionskritischen Humanisten finden, welcher diesen Gedanken teilt. Gerade in der Kindeserziehung sollten Erkenntnisse in Freiheit gewonnen werden, aus den eigenen Eindrücken eigene Erfahrung erzielt werden und somit ein individuelles Weltbild entstehen. Die Erziehung durch die Eltern, allem voran aber durch erziehende und bildende Institutionen, sollte aus einer objektiven Distanz heraus und ohne Postulierung ungewisser Wahrheiten in mögliche Richtungen weisen, jedoch keinen Druck in bestimmte Richtungen ausüben. Doch genau dieser Druck wird durch die religiöse Erziehung ausgeübt. Das Bild eines Gottes, welcher für die eigene Existenz, sowie aller anderer verantwortlich ist, dem dafür Dankbarkeit und seinen Regeln Gehorsam geleistet werden muss und dessen „Liebe“ durch einen sterbenden Mann an einem Folterinstrument symbolisiert wird. Und nicht nur das, Kind muss diesen autoritären Gott und seinem geschundenen Sohn, welcher er selbst in menschlicher Gestalt zurücklieben, sonst wirst es nicht von deiner angeborenen Schlechtigkeit erlöst…
Es gibt wohl kaum ein autoritäreres und verstörenderes Konzept um einem Kind die Welt zu erklären. Dennoch ist dieses Konzept in unserer Gesellschaft weiterhin gängig (zum Glück bei weitem nicht mehr flächendeckend) und wird aufgrund seiner gesellschaftlichen Etablierung nur von wenigen hinterfragt. Die Einteilung von Menschen im Kindesalter in die Religion der Eltern wird mit einer erschreckenden Selbstständigkeit in Kauf genommen, doch sobald wir einer uns bisher fremderen Religion mit ihren fundamentalistischen Zügen gegnüberstehen, dann weckt sich in uns die Abwehrhaltung, anstatt mal zu bemerken, dass uns im Prinzip ein Spiegel vorgehalten wird.

Es bringt auch nichts vorzubeten, dass unser Alltag christlich geprägt ist, sei es durch Festtagsbräuche, Erzählungen, den Handlungen unserer religiösen Mitmenschen oder Erscheinungen in unserer Umwelt, mit Kirchen und Wegkreuzen. Man kann mit einer gesunden Objektivität diesen Dingen begegnen, ohne sie zu heiligen und zum unverzichtbaren Aspekt für die seelische und moralische Entwicklung zu erklären. Und gerade die moralische Entwicklung als Aufgabe oder Verdienst der Religion zu (v)erklären ist lange überholt, sonst würde es wohl kaum Statistiken geben, die Kindern aus religiöser Erziehung geringere Großzügigkeit nachweisen [1].
Auch das Argument, dass das Christentum unsere Gesellschaft kulturell bereichert hat und z.B. die Idee von der Gleichheit der Menschen etablierte, lässt mögliche alternative Philosophien und Weltbilder aus, die sich einfach nicht etablieren konnten, aber auch die, welche sich zu Zeiten der Aufklärung gegen den Widerstand der Kirche etabliert haben, Freiheit vom Feudalismus und Klerus brachten und der Vernunft die verdiente Bedeutung beimessen konnten. Die dennoch nicht wegzudenkenden Früchte der christlichen Geschichte kann man außerdem genießen, ohne den religiösen Inhalten weiterhin größere Bedeutung beizumessen oder sie gar zu privilegieren. Wozu brauchen wir, und vor allem unsere Kinder ein Weltbild, in welchem eine Erbsünde postuliert, das Leid geheiligt und autoritäre Verhältnisse gefordert werden?
Gerade an diesem Beispiel jedoch erkennen wir das zweierlei Maß, mit welchen Fremden- und Islamfeinde Religionen bewerten: während ohne klares Hintergrundwissen die negativen Seiten einer fremden Religion betont werden, werden mit einem ähnlich lückenhaften Hintergrundwissen der Einfluss der vermeintlich kultureigenen Religion, in Bereichen der Erziehung und Bildung, unbehelligt in Kauf genommen. Hinter der kleinbürgerlichen „Islamkritik“ verbirgt sich also nur eine nicht ernst zu nehmende Verteidigung biederer Gewohnheit.

[1] http://www.heise.de/tp/artikel/46/46460/1.html

Wie wir mit der Religion umgehen sollten

Unsere moderne Ethik und Pädagogik ist nicht einer sogenannten „christlich-abendländischen Kultur“ zu verdanken, auch wenn sie Anteile daran hat, sondern in erster Linie der Aufklärung und Säkularisierung. Dadurch, wie sich die neurechten Bewegungen präsentieren, wie sie ihre Feindbilder definieren, kann man sie kaum als Vertreter dessen bezeichnen.

Auf keinen Fall sollte der unsinnige Gedanke aufkommen, dass wir islamischen Institutionen hier eine solche Narrenfreiheit geben sollten, wie den christlichen Institutionen, quasi als ausgleichende Gerechtigkeit (dann könnten wir auch mal über Islamisierung sprechen). Nein, wir müssen unseren Säkularismus vom Papier in die Realität übertragen, um möglichen negativen Gesellschaftsentwicklungen aus religiöser Prägung entgegenzuwirken. Wir dürfen uns auf keinen Fall in unseren Gewohnheiten verstricken, sondern flexibel unsere Gesellschaft parallel zum Fortschritt und im Sinne der nützlichsten und nachhaltigsten Lebensart anpassen. Hinderliche oder gar schädliche kulturelle und geistige Traditionen, ob im Sinne der Religion oder der Herkunft dürfen nicht um ihrer selbst willen einer fortschrittsorientierten Lebensweise vorgezogen werden. Das Ziel sollte ein universeller Humanismus sein, welcher dem Individuum die bestmögliche Entfaltungsfreiheit ermöglicht und dies unabhängig von lokaler Position, Identität oder Herkunft dessen. Unsere Umwelt, sozial wie ökonomisch soll zu diesem Zweck stabilisiert werden und nicht um Gewohnheiten zu schützen.

Wenn dieser Gedanken zum Konsens für unser Miteinander wird, dann schützen wir uns sowohl vor radikalen, autoritären und fundamentalistischen Idealen von außen, als auch von innen!

Nachtrag: Dass ich den islamischen Terrorismus in diesem Zusammenhang nicht erwähnt habe liegt daran, dass er in diesem Zusammenhang nicht relevant ist. Dieses Phänomen geht über den allgemeinen religiösen Fundamentalismus hinaus, hat andere komplexe Hintergründe und bedarf daher einer eigenen Betrachtung und einer eigenen Erschließung seiner Zusammenhänge.

Der humanistische Pressedienst zum Thema religiöser Indoktrination:

http://hpd.de/node/8473

http://hpd.de/artikel/11583

http://hpd.de/search/node/indoktrination%20im%20kindergarten

http://hpd.de/artikel/11304

Der erschreckende Erfolg der AfD

Es ist wieder so weit, mit Mecklenburg-Vorpommern ist die AfD in den nächsten Landtag eingezogen und diesmal sogar als zweitstärkste Kraft. Dies ist der größte Wahlerfolg der AfD und allgemein der größte Wahlerfolg rechter Parteien seit Beginn des neuen Jahrtausends. Doch wie kommt es, dass gerade im 21. Jahrhundert Nationalismus und völkisches Denken wieder im Trend zu liegen scheinen? Wie kommt es, dass kosmopolitische Einstellungen und interkulturelle Lebensart, welche so lange als Vorzeigehaltungen betrachtet wurden, nun von vielen unserer Mitmenschen lautstark als Traumtänzerei und Gutmenschentum abgewertet werden, dass die Forderung nach völkischer Identität und einer nach ihr ausgerichteten Politik wieder lautstark von einem nicht gerade kleinen Teil unserer Gesellschaft gefordert wird?

Die Antwort vorweg genommen: Die Einstellung ist nicht erst vor Kurzem aufgetaucht, sondern schwebte schon immer wie eine dunkle Wolke über uns, nur hatte sie bisher kein geeignetes Ventil.  Die NPD und andere rechte Parteien zeigten sich als weit zu extrem, deren Anhänger meistens gewaltbereit und asozial rüberkamen. Für den biederen und bürgerlichen Menschen aus der Mitte wohl kaum repräsentativ. Den Ruf als radikale und extremistische Partei wurde die NPD nie los. Die AfD dagegen konnte sich ausgezeichnet das Image der erzkonservativen, wirtschaftsliberalen und bürgernahen Partei der Mitte bilden.
Laut der bisherigen Wahlstatistik von MV[1] erhob sich der Wähleranteil um 10%. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass dieser Anteil ehemaliger Nichtwähler direkt an die AfD ging. Ebenso geht aus dieser Statistik hervor, dass die sogenannten „etablierten Parteien“ Stimmen an die AfD verloren. Besonders die CDU verlor in MV erheblich viele Stimmen und sank sogar unter die AfD, jedoch blieben auch SPD und Linke nicht verschont. Dass gerade aus SPD und Linke Stimmen in die AfD fließen ist alarmierend und zeigt auch unter anderem das problematische Verhalten der Protestwahl auf.

Die Bezeichnung der Wahlergebnisse als „Abstrafung“ der Flüchtlingspolitik der derzeitigen Regierung kann kaum noch geleugnet werden. Zu offensichtlich steigt der Erfolg der AfD mit der ablehnenden Haltung gegenüber Flüchtlingen im Land, was sich auch statistisch erschließt [2]. Die Frage ist, ob diese Ablehnung, bzw. Ängste gegenüber Flüchtlingen berechtigt oder überholt sind? Interessant dabei ist außerdem, dass rechte Gesinnungen und Ablehnung gegenüber Flüchtlingen vor allem dort auftritt, wo der Ausländeranteil am geringsten ist, wo quasi die Einwohner den geringsten Kontakt zu Menschen anderer Herkunft haben. Auch zu beachten ist, dass von Menschen, die sich freiwillig mit Flüchtlingen beschäftigen, sich engagieren und Hilfe leisten, komischerweise keine ablehnende Haltung zu Flüchtlingen ausgeht, obwohl sie ihnen wohl am stärksten ausgesetzt sind.

Diese Angst, Missgunst und Ablehnung gegen Flüchtlinge ist vermutlich auf einem Unbehagen gegenüber dem eigenen empfundenen Mangel begründet. Unbedacht sieht man in den Geflüchteten keine Notleidenden, sondern nur Mitesser, welche die Verteilung der Ressourcen noch weiter aufteilen und einem selbst nur ein noch kleineres Stück vom Kuchen übrig lassen. Besonders, wenn man für dieses Stück vom Kuchen auch noch einen Knochenjob ausführt, wird der Sozialneid noch genährt, wenn der andere für seinen wenn auch kleineren Anteil nicht arbeiten muss (auch wenn bei Geflüchteten oft ein „darf“ anstelle von „muss“ gehört). Der Chef dagegen, welcher mehr als die Hälfte des Kuchens bereits für sich beansprucht hat wird jedoch nicht angegriffen, zu unerreichbar wirkt er, zu gefährlich ihn herauszufordern. Nicht zu vergessen, dass man lieber selbst an seiner Stelle sein würde, statt dieses Privileg aus der Welt zu schaffen. Daher ist es leichter sich einen Sündenbock zu suchen und weiter nach unten zu treten, um sich selbst erhöht zu fühlen.
Die „etablierten Parteien“ haben diesen Zustand mit zu verschulden: Zu viele Privilegien haben sie Großkonzernen und Kapitalisten gelassen mit ihrer lobbyistischen, neoliberalen Politik und die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinanderklaffen lassen.
Es ist jedoch für mich weiterhin unbegreiflich, warum man lieber sozial noch schwächere ausgrenzen will, statt den Kapitalismus und die neoliberale Politik, welche ihn stützt, zu bekämpfen, warum man sich über Sozialleistungen für Flüchtlinge aufregt, statt über die Steuerungerechtigkeit, welche Gering- und Mittelverdiener in die Mangel nimmt, jedoch die soziale Elite privilegiert.

Der Populismus schlägt stattdessen ein, wie ein starkes Narkotikum. Flüchtlinge aus muslimischen Ländern wurden schnell zu Kriminellen, Schmarotzern und Fremdkörpern erklärt, zu einer Bedrohung für das „Abendland“. Nationalismus, oder um den beliebteren Euphemismus zu verwenden, „Patriotismus“ wurden zu identitätsstiftenden Tugenden aufgebauscht. Das Fremde ist die Gefahr für Wohlstand und Sicherheit, nicht die Ungerechtigkeit, welche aus dem Kapitalismus hervorgeht. Es ist halt leichter an den Symptomen zu kratzen, als den Verursacher zu konfrontieren. Sich abzugrenzen ist einfacher, als sich an den Problemen der Welt zu beteiligen. „Das Volk“ soll im Mittelpunkt stehen, als ob sich die Welt nur drum herum bewegt. Was ist überhaupt dieses „Volk“? Etwa dieses homogene Gesellschaftsbild, welches AfD und Anhängerschaft auf uns alle projeziert und sich so leicht von anderen abgrenzen lässt? Da bin ich schon mal raus!

Die AfD lässt sich vergleichen mit den Law-and-Order-Republikaner der Südstaaten von den USA. Auch diese projizieren ein verdrehtes Bild eines christlichen, weißen amerikanischen Volkes, obwohl es das Einwanderungsland schlechthin ist und damit erreichen sie eine nicht unbeachtliche Bevölkerungsgruppe. Deutschland blieb dies lange erspart, doch jede Bewegung kommt irgendwann mal überall an, das ist nun mal so in der globalisierten Welt. Das hat viel positives, aber auch leider mal was negatives an sich.

Es ist zu hoffen, dass sich die AfD ebenfalls nur als Symptom erweist, als Symptom einer erstarrten Politik, welche den Status Quo, welcher Unternehmen privilegiert und Arbeitskräfte ausbeutet, mit allen Mitteln zu erhalten versuchte, was Frust erzeugte, welcher sich leider verirrte. Ich hoffe, dass die AfD wieder in sich zusammenbricht, sobald die Gesellschaft vor neuen Herausforderungen steht, welche Nationalismus und Abschottung als Lösungen ausschließen. Es macht mich jedoch traurig, dass sich der gesellschaftliche Protest und der Wahl einer „Alternative“ sich auf solche Art äußert. Wenn linke Bewegungen, wie Blockupy gegen Spekulanten, Ungerechtigkeit und Kapitalismus aufrufen, zirpen die Grillen im Mittelstand. Ruft jedoch eine populistische Partei gegen vermeintliche „Invasoren“ auf, da die noch krassere Ausbeutung an unserer Tür klopft, regen sich die Mäuler und die Fäuste schießen in die Luft …
Armes Deutschland!

[1] http://www.mv-laiv.de/Wahlen/Landtagswahlen/2016/

[2 ] http://wahl.tagesschau.de/wahlen/2016-09-04-LT-DE-MV/umfrage-fluechtlingspolitik.shtml

Weitere Quellen:

http://www.heise.de/tp/artikel/49/49325/1.html

http://www.heise.de/tp/artikel/49/49331/1.html

http://www.heise.de/tp/artikel/49/49326/1.html
Siehe auch:

Die unangenehme Wahrheit hinter den Erfolgen der AfD